Krzysztof Kubaszewski hat zum 1. Mai 2026 die Ärztliche Leitung der Geriatrie am AMEOS Klinikum Ueckermünde übernommen. Im Interview mit HAFF media spricht er über die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft, moderne Altersmedizin und darüber, warum Bewegung die beste Medizin ist.
Herr Kubaszewski, was hat Sie an der Geriatrie besonders fasziniert und warum haben Sie sich für dieses Fachgebiet entschieden?
Ursprünglich habe ich in der Orthopädie gearbeitet, wo der Großteil der Patienten älter ist. Dort wurde mir bewusst, dass die Nachbehandlung genauso wichtig ist wie die eigentliche Operation, um einen nachhaltigen therapeutischen Erfolg zu erzielen. Um mein Wissen zu vertiefen und Patienten noch besser betreuen zu können, sowie aufgrund der großen Freude an der Arbeit mit älteren Menschen, habe ich mich für eine Zusatzweiterbildung Geriatrie entschieden.
Die Menschen werden immer älter. Welche Herausforderungen bringt das für die medizinische Versorgung in unserer Region mit sich?
Ja, die Menschen werden immer älter – ein Prozess, der sich aufgrund des demografischen Wandels weiter beschleunigen wird, insbesondere in einer ländlichen Region wie der unseren. Die Bevölkerung altert jedoch nicht nur, sie wird auch zunehmend pflegebedürftiger. Dies stellt die größte Herausforderung dar, und zwar nicht nur regional, sondern in der gesamten westlichen Welt. Bereits heute sind die Pflegeheime gut ausgelastet, und wie bereits erwähnt, wird sich diese Situation in Zukunft verschärfen. Verschlimmert wird die Lage durch den akuten Personalmangel, von dem der ländliche Raum noch weitaus stärker betroffen ist als die Großstädte.
Viele verbinden Geriatrie vor allem mit Pflege. Was kann eine moderne geriatrische Behandlung heute leisten?
Unser Hauptziel ist das Wiedererlangen der Selbstständigkeit. Hierfür muss die Therapie individuell auf den Patienten angepasst werden. Diese Individualität stellt das wichtigste therapeutische Konzept in der modernen Geriatrie dar.
Ein Schwerpunkt Ihrer Klinik ist die Alterstraumatologie. Warum ist gerade nach einem Sturz schnelles und interdisziplinäres Handeln so wichtig?
Hierbei spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Nach einer Operation müssen ältere Patientinnen und Patienten möglichst früh mobilisiert werden – oft bereits am ersten Tag nach dem Eingriff. Längere Bettlägerigkeit kann den körperlichen Abbau erheblich beschleunigen und das Risiko für Komplikationen wie Lungenentzündungen, Thrombosen oder einen dauerhaften Verlust der Selbstständigkeit deutlich erhöhen. Unser Ziel ist es daher, diesem Prozess mit einer frühzeitigen, interdisziplinären Behandlung aktiv entgegenzuwirken. Da geriatrische Patientinnen und Patienten häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig haben, betrachten wir nicht nur die Fraktur, sondern den Menschen als Ganzes. Nur so können wir die Mobilität bestmöglich wiederherstellen und die Rückkehr in den gewohnten Alltag fördern.
Ab wann sollte man für sich oder einen Angehörigen über eine geriatrische Behandlung nachdenken? Woran erkennt man also, dass diese spezialisierte Versorgung sinnvoll ist?
Dies ist eine höchst individuelle Sache, bei der vor allem das biologische Alter im Vordergrund steht und nicht das Geburtsjahr. Wenn wir feststellen, dass unsere Angehörigen zunehmend pflegebedürftiger werden und immer mehr Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens benötigen, ist dies der richtige Zeitpunkt, eine geriatrische Behandlung in Betracht zu ziehen.
Welchen Rat geben Sie älteren Menschen, damit sie möglichst lange mobil und selbstständig bleiben?
Es gibt nur ein wirksames Mittel, um Mobilität und Selbstständigkeit zu erhalten: Bewegung. Sport ist hierfür die beste Medizin. Bereits ab dem 30. Lebensjahr setzt der natürliche, physiologische Abbauprozess des Körpers ein. Anfangs verläuft dieser noch sehr langsam, gewinnt jedoch mit zunehmendem Alter an Dynamik. Um bis ins hohe Alter fit zu bleiben, sollte man bereits in jungen Jahren damit beginnen, den Körper zu trainieren und Muskelmasse aufzubauen. Dennoch ist es nie zu spät, um anzufangen!

Text: HAFF media / Fotos: Adobe Stock (1) / AMEOS (1)
Weitere Beiträge
-
Pflege-Absolventen feiern ihren großen Tag in Pasewalk
-
So kommen Sie gesund durch die heißen Sommertage
-
Wenn die Leber schweigt – Gastroenterologe warnt vor unbemerkten Hepatitis-Erkrankungen
-
Blaubeerscheune Eggesin: Genuss, Regionalität und Inklusion im Einklang
-
Berufsunfähigkeit: Warum frühe Vorsorge wichtig ist fürs Leben
