Allgemeinmediziner Dr. med. Jens Ackermann gibt wertvolle Tipps.
Der Sommer hat bereits gezeigt, wie belastend extreme Temperaturen sein können. Tage mit deutlich über 30 Grad und schwüle Nächte bringen viele Menschen an ihre Grenzen. Für Dr. med. Jens Ackermann, Allgemeinmediziner in Ueckermünde und Mitglied im Ärztenetz HaffNet, ist klar: „Auf solche Wetterextreme und Hitzewellen müssen wir uns einstellen.” Wie ernst das Thema ist, zeigen auch Zahlen: Das Robert-Koch-Institut meldet bereits für diesen Sommer 5.120 Hitzetote.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen
Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf hohe Temperaturen. Besonders vorsichtig sollten Menschen über 80 Jahre sein. „Ältere Menschen verspüren oft weniger Durst und trinken deshalb zu wenig“, erklärt der Mediziner. Gefährdet sind auch Menschen mit chronischen Vorerkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen, da sie die Wärmeregulation des Körpers einschränken. Aber auch Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit Behinderungen gehören zu den Risikogruppen. Hinzu kommen Menschen, die körperlich im Freien arbeiten oder Sport treiben, sowie obdachlose Menschen.
Trinken und Schatten suchen
Die wichtigste Empfehlung klingt einfach, wird aber oft nicht konsequent umgesetzt: ausreichend trinken. Nur wenn dem Körper genügend Flüssigkeit zur Verfügung steht, kann er sich durch Schwitzen selbst kühlen. „Am besten eignet sich Wasser“, empfiehlt Ackermann. Da beim Schwitzen nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte verbraucht werden, sind Mineralwässer die erste Wahl. Zusätzlich können Tee, verdünnte Fruchtsaftschorlen oder wasserhaltige Früchte wie Melone oder Gurke verzehrt werden, was besonders Kinder und Pflegeheimbewohner erfreut. „Eiskalte Getränke oder Eis sind dagegen nicht sinnvoll. Sie signalisieren dem Körper Kälte, sodass die Schweißproduktion sogar verringert werden kann.“ Auch auf Alkohol, Energydrinks und Kaffee sollte an heißen Tagen verzichtet werden.
Körperlich anstrengende Arbeiten wie Gartenarbeit oder Sport sollten möglichst in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Auch die Kleidung spielt eine Rolle: Helle, luftige Stoffe und eine Kopfbedeckung wie der Hut schützen nicht nur vor Hitze, sondern auch vor der Sonne.
Die Wohnung kühl halten
Damit sich Wohnräume nicht unnötig aufheizen, empfiehlt der Arzt, sie mit Rollos oder Jalousien abzudunkeln und in den kühlen Nacht- oder Morgenstunden per Durchzug zu lüften.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Menschen, die Medikamente einnehmen. Wer unsicher ist, sollte sich ärztlich beraten lassen. Er selbst berät seine Patienten regelmäßig zum Thema und gibt entsprechendes Informationsmaterial mit.
Warnzeichen ernst nehmen
Wer längere Zeit großer Hitze ausgesetzt ist, sollte auf Warnsignale des Körpers achten. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Verwirrtheit sowie eine hohe Körpertemperatur können Anzeichen eines Hitzeschlags sein. „Dann sollte man sofort aus der Sonne gehen, den Körper kühlen und ausreichend trinken. Bei Bewusstseinsstörungen muss der Rettungsdienst verständigt werden“, betont Ackermann. „Ein Hitzeschlag kann lebensbedrohlich sein.“
Auch wenn sich extreme Sommertage nicht verhindern lassen, lässt sich der Sommer mit etwas Vorbereitung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und einem bewussten Umgang mit der Hitze dennoch genießen – und vor allem gesund überstehen.
TIPPs für heiße Tage
☀ Kaltes Armbad: Beide Unterarme für 20 bis 30 Sekunden in kaltes Wasser tauchen.
☀ Ausreichend Wasser trinken.
☀ Helle, luftige Kleidung und Sonnenhut tragen.
☀ Tagsüber Schatten suchen und körperliche Anstrengung vermeiden.
☀ Wohnung tagsüber abdunkeln, nachts und morgens gut lüften.
Text/Foto: S. Wolff
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