Wenn moderne Technik auf engagierte Pflegefachkräfte trifft, kann etwas entstehen, das den Alltag im Gesundheitswesen spürbar verändert. Genau das zeigt das neue Projekt „DiPfA – Digitale Pflege-Assistenz”, das demnächst im HaffNet startet. Ziel ist es, Pflegekräfte zu entlasten und gleichzeitig die medizinische Versorgung im ländlichen Raum auf ein neues Niveau zu heben. „Es hat das Potenzial, neue Maßstäbe zu setzen“, sagt Andreas Meinhold, Geschäftsführer des Ärztenetzes HaffNet.
Der Koffer, der mehr kann
Im Mittelpunkt stehen speziell geschulte Pflegefachkräfte, die künftig mit einem mobilen Diagnostik-Set Hausbesuche in Akutsituationen im Auftrag der teilnehmenden Hausärzte durchführen. Zwei von ihnen, Undine Tischmeyer und Jennifer Rolle, stellten die Technik bei der Auftaktveranstaltung in Torgelow erstmals vor. Mit dem Koffer lassen sich umfangreiche Untersuchungen durchführen – von Aufnahmen vom Rachen und Trommelfell über EKG bis hin zu Herz-, Lungen- und Darmgeräuschen. Unterstützt werden die Fachkräfte dabei von Künstlicher Intelligenz, die eine leitliniengerechte Ersteinschätzung ermöglicht, Vitaldaten und Symptome auswertet und die Ergebnisse direkt an die behandelnden Ärzte übermittelt. Gleichzeitig gilt: Die KI liefert wertvolle Unterstützung – die abschließende Bewertung und Entscheidung liegt immer beim Menschen.
Die praktische Erprobung des Projekts erfolgt zunächst im Rahmen einer Pilotphase gemeinsam mit der Diakonie Sozialstation Ueckermünde sowie dem Pflegeheim Pommernmühle. Hier wird die digitale Pflege-Assistenz sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege eingesetzt und erprobt – in Zusammenarbeit mit vier Pilotpraxen. „Unser Ziel ist die Entlastung für alle Akteure im Gesundheitswesen“, betont HaffNet-Geschäftsführerin Nadja Neudeck. Gerade in einer ländlich geprägten Region wie Vorpommern-Greifswald kann das Projekt viel bewirken: Wege werden kürzer, Abläufe effizienter und die Versorgung der Patienten wird deutlich verbessert.
Qualität, auf die sich Ärzte verlassen können
Auch aus ärztlicher Sicht überzeugt der Ansatz. Christian Hönnscheidt hebt die hohe Qualität der erhobenen Daten hervor. Die Technik unterstützt die Pflegefachkräfte so präzise, dass Messungen nur dann übertragen werden, wenn sie medizinisch verwertbar sind – ein entscheidender Vorteil für verlässliche Diagnosen.
Gleichzeitig erhöht das System die Effizienz der Behandlung: Durch die asynchrone ärztliche Befundung können Daten zeitnah ausgewertet werden, ohne dass jeder Fall unmittelbar vor Ort ärztlich betreut werden muss. Das entlastet die Hausärzte spürbar. Pflegefachkräfte können im ländlichen Raum unterwegs sein und frühzeitig einschätzen, wo tatsächlich ein Behandlungsbedarf erforderlich ist.
Bei der Auftaktveranstaltung war das Interesse entsprechend groß. Vertreter aus Medizin, Pflege und Politik zeigten sich beeindruckt von den Möglichkeiten der Technik. Besonders die praktischen Demonstrationen machten deutlich, welches Potenzial in der digitalen Unterstützung steckt.
Das Projekt läuft zunächst bis 2027 und wird wissenschaftlich begleitet. Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Digitale Pflege-Assistenz im Auftrag der Haus- und Fachärzte könnte ein wichtiger Baustein für die Zukunft der medizinischen Versorgung am Stettiner Haff und vielleicht sogar für ganz Deutschland werden.
Text/Foto: S. Wolff
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