Holger Brandstädt prägt die Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde mit persönlicher Beratung, besonderen Veranstaltungen und einer großen Leidenschaft für Literatur. Zum Jubiläum blickt er dankbar zurück, aber auch mit Sorge in die Zukunft.
Seit 25 Jahren ist Holger Brandstädt das Gesicht der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde. Am 15. Oktober 2001 öffnete die traditionsreiche Buchhandlung unter seiner Leitung wieder ihre Türen. Seitdem ist nicht nur ein Geschäft für Bücher, sie ist ein Ort für Kultur, Kunst, Gespräche und persönliche Begegnungen sowie ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt und der Region.
„Was soll ich sagen! Danke!“, fasst Holger Brandstädt seine Gefühle zum Jubiläum zusammen. Sein Dank gilt vor allem dem treuen Publikum, welches ihn über die Jahre begleitet und die Buchhandlung zu dem gemacht hat, was sie heute ist.
Wer die Friedrich-Wagner-Buchhandlung kennt, weiß, dass Holger Brandstädt nicht nur Bücher verkauft. Er ist Organisator, Netzwerker und Kulturmacher. Mit Lesungen namhafter Autoren, darunter Wladimir Kaminer, Ausstellungen und kleinen Konzerten lockt er immer wieder Menschen nach Ueckermünde. Auch Veranstaltungen wie den Herbst- und Ostermarkt unterstützt er, zudem wirkt er an der Organisation des Altstadtspaziergangs mit.
Die Buchhandlung versteht er als Raum für Begegnung. Bei Lesungen und Konzerten kommen Menschen zusammen, tauschen sich aus und entdecken neue Perspektiven. In einer Zeit, in der vieles zunehmend digital und schnelllebig geworden ist, hat dieser persönliche Austausch einen besonderen Wert.
Dass dieses Engagement weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen wird, zeigen zahlreiche Auszeichnungen. 2003 wurde die Buchhandlung von „Langendorfs Dienst“ als „Leuchtturm der Buchhandelslandschaft“ gewürdigt. 2004 erhielt sie den erstmals verliehenen Kulturpreis der Stadt Ueckermünde, 2009 folgte der Raumpionier-Preis. 2015 wurde sie mit dem Deutschen Buchhandlungspreis als „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet, ein Jahr später erhielt sie dessen Hauptpreis als „Beste Buchhandlung“.
Die Geschichte der Friedrich-Wagner-Buchhandlung begann 1883, als Friedrich Wagner in Ueckermünde eine Buchbinderei mit dem Verkauf von Schreibmaterialien eröffnete. Gemeinsam mit seinem Sohn Johannes entwickelte er das Geschäft zu einer Buch-, Papier- und Schreibwarenhandlung mit angeschlossener Buchbinderei und Druckerei. Trotz wirtschaftlicher Krisen, Krieg und schwieriger Nachkriegsjahre blieb die Buchhandelstradition über Generationen bestehen.
Für Holger Brandstädt ist sie auch eine Familiengeschichte. Seine Großmutter Gretel absolvierte ihre Lehre bei Johannes Wagner und arbeitete viele Jahre in dem Unternehmen. Nach seiner Ausbildung zum Buchhändler und beruflichen Stationen in Berlin, Köln und Bonn ließ sich Brandstädt 2001 in Ueckermünde nieder. Am 15. Oktober desselben Jahres eröffnete er die Friedrich-Wagner-Buchhandlung nach Umbau der Geschäftsräume unter dem traditionsreichen Namen neu.
So gerne Holger Brandstädt auf die vergangenen 25 Jahre zurückblickt, so kritisch sieht er die Zukunft. Steigende Kosten, insbesondere beim Transport, zunehmende bürokratische Anforderungen und die ungeklärte Frage der Nachfolge machen ihm das Buchhändlerleben schwer. Die Herausforderungen zeigen, unter welchem Druck gerade kleine, unabhängige Buchhandlungen stehen.
Dabei ist die Friedrich-Wagner-Buchhandlung ein Beispiel dafür, wie viel ein solches Geschäft für eine Stadt leisten kann. Sie bietet persönliche Beratung, ein sorgfältig zusammengestelltes Sortiment und einen kulturellen Treffpunkt, der sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt.
Dass die Buchhandlung auch weiterhin ein Ort für besondere literarische Begegnungen ist, zeigt das kommende Veranstaltungsprogramm. Am Samstag, 7. November, liest Gregor Sander bei einer Matinee Lesung um 11 Uhr anlässlich der „Woche der Unabhängigen Buchhandlungen“ aus seinem Schliemann-Roman „Troja, später Nachmittag“. Und am Mittwoch, 9. Dezember, lädt die Friedrich-Wagner-Buchhandlung um 19:30 Uhr zur Buchpremiere des Romans „Löwensommer“ von A. M. Lorenz ein. Der Roman entführt in das Pommern des Jahres 1905 und erzählt eine geschichtsträchtige Reise zwischen Greifswald und Stettin, Wald und Moor, Mord und Emanzipation. Vorgestellt wird das Buch von Verleger André Meier. Die aus Fernsehen und Theater bekannte Schauspielerin Cordelia Wege liest ausgewählte Passagen. Karten kosten 15 jeweils Euro und sind in der Friedrich-Wagner-Buchhandlung erhältlich. Reservierungen sind unter der Telefonnummer 039771 54626 möglich.
Zum Jubiläum überwiegt bei Holger Brandstädt die Dankbarkeit für die vielen Begegnungen, Veranstaltungen und Menschen, die der Buchhandlung über Jahre treu geblieben sind. Sein schlichtes „Danke“ gilt allen, die diesen besonderen Ort mit Leben füllen. Denn eine Buchhandlung ist nicht allein ein Ort, an dem Bücher den Besitzer wechseln. Sie kann Menschen zusammenbringen, Kultur ermöglichen und einer Stadt ein Stück ihrer Identität bewahren. Die Friedrich-Wagner-Buchhandlung hat das in Ueckermünde über viele Jahre gezeigt.
Text/Foto: PM Stadt Ueckermünde
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