Diplom-Psychologin Stephanie Burian und Oberarzt Vladimir Pejicic, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, geben wertvolle Tipps.
Schlaf ist ein Grundbedürfnis des menschlichen Körpers. Kurzum: Er ist überlebensnotwendig! Genügend Schlaf sorgt dafür, dass wir uns konzentrieren können, gesund bleiben und emotional stabil sind. Zu wenig Schlaf kann dagegen das Immunsystem schwächen, das Risiko für Krankheiten erhöhen und die Stimmung verschlechtern. Schlaf ist also wie eine Wartung für Körper und Geist. Ohne ihn funktioniert nichts richtig. So weit die Theorie. Doch was tun, wenn man nicht schlafen kann?
Diese quälende Frage stellen sich viele Betroffene. „In Deutschland leiden etwa sechs Millionen Menschen an Schlafstörungen. Darunter 24 Prozent Frauen und 13 Prozent Männer“, nennt Stephanie Burian, Leitende Psychologin der Ueckermünder AMEOS Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, einige Zahlen zur Einordnung. Die Anzahl der Betroffenen nehme zu, unter ihnen seien sogar Kinder. „International gesehen bewegt sich Deutschland damit im Mittelfeld.“
Wann spricht man von einer Schlafstörung?
„Eine Schlafstörung liegt vor, wenn Betroffene mindestens drei Mal pro Woche über mehr als einen Monat hinweg schlecht schlafen können“, sagt Vladimir Pejicic, Oberarzt der Ueckermünder AMEOS Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Patienten berichten von Einschlafproblemen, Durchschlafproblemen, häufigem Aufwachen in der Nacht, von frühem Erwachen oder gar einem nicht erholsamen Schlaf trotz ausreichender Schlafdauer. Tagesmüdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme können sich durch den Schlafmangel einstellen. Ein echtes Problem im Alltag, warnt der Oberarzt.
Um Schlafproblemen vorzubeugen, verweisen Vladimir Pejicic und Stephanie Burian auf eine entsprechende Schlafhygiene. „Stellen Sie eine angenehme Schlafumgebung her. Sie sollte vertraut, bequem, dunkel, ruhig und angenehm temperiert sein. Die empfohlene Temperatur im Schlafzimmer ist 16 Grad“, sagt die Diplom-Psychologin. Zudem sollten Bett oder Schlafzimmer auch wirklich nur ein Ort zum Schlafen sein.
Außerdem sollte jegliche Aufregung vorm Schlafengehen vermieden werden, ebenso ein voller Magen oder ein voller Kopf. Vladimir Pejicic empfiehlt für eine gesunde Schlafhygiene etwa zwei Stunden vorm Schlafengehen nichts mehr zu essen und etwa zur gleichen Zeit schlafen zu gehen. „Hilfreich für das Herunterfahren des Geistes sind außerdem Entspannungstechniken“, ergänzt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Dazu können leises Musikhören oder progressive Muskelentspannung gehören.“ Des Weiteren hätten Handys, Laptops und andere technische Geräte im Schlafzimmer nichts zu suchen, sind sich die Experten einig. Ebenso sollten eine Stunde vorm Schlafengehen keine Medien mehr genutzt werden und man sollte nicht zu körperlich aktiv sein.
Ein erwachsener Mensch benötigt etwa sieben bis acht Stunden Schlaf, um sich erholt und fit zu fühlen. Dabei komme es nicht darauf an, wann man ins Bett geht. „Denn es gibt verschiedene Typen“, erklärt Psychologin Stephanie Burian. „Den Morgentyp (Lärche), den Abendtyp (Eule) oder den Mischtyp.“ Ebenso werde der menschliche Schlaf in drei Phasen unterteilt: Die Leichtschlafphase, die mittlere Schlafphase und die Tiefschlafphase.
Wer glaubt, Alkohol sei hilfreich für einen besseren Schlaf, sei dabei einem Mythos aufgesessen: „Er entspannt lediglich und hilft, besser einzuschlafen“, so die Leitende Psychologin. Aber er störe die Schlafphasen, dadurch schlafe man unruhiger und wache nachts häufiger auf. Auch der Vollmond habe keinen direkten Einfluss auf den Schlaf. Lediglich die Helligkeit könne Einfluss nehmen oder der Gedanke daran, dass man bei Vollmond nicht schlafen könne.
Lassen Sie Sorgen und ständiges Grübeln über einen längeren Zeitraum nicht schlafen und führen zu Anspannung, Stress, Wut, Ärger oder gar zu Schwitzen und Herzrasen, dann sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Er analysiert zunächst Ihr Schlafverhalten – auch mit Hilfe des Partners, der in der Nacht neben Ihnen liegt. Entsprechende Therapien oder auch Medikamente können weiterführend dabei helfen, das Problem in den Griff zu bekommen, stellen Stephanie Burian und Vladimir Pejicic in Aussicht. „Auf eine Wunderpille sollten Betroffene allerdings nicht hoffen“, sagt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Text: U. Hertzfeldt / Fotos: Adobe Stock (1); AMEOS (2)


